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UVN: Schwarzmalerei des DGB ist fern ab der Realität und kontraproduktiv – Berufsorientierung, Ausbildung und Qualifizierung stärker auf Arbeitsmarktbedarfe abstimmen

29. Oktober 2015

UVN-Hauptgeschäftsführer Dr. Volker Müller zu den aktuellen Arbeits- und Ausbildungsmarktzahlen:

Zum Arbeitsmarkt:

„Die Arbeitsmarktzahlen zeigen, dass sich die enge Zusammenarbeit der Arbeitsmarktpartner auszahlt. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung steigt und die Arbeitslosenquote ist auf einem Rekordtief.

Wir dürfen uns allerdings nicht darauf ausruhen. Ein wesentlicher Grund für einen solch erfolgreichen Arbeitsmarkt sind unsere flexiblen Beschäftigungsverhältnisse wie Zeitarbeit und Werkverträge. Hier weiter zu regulieren ist fahrlässig!

Außerdem gilt es, die Zusammenarbeit der Arbeitsmarktpartner weiter zu intensivieren, um auch Langzeitarbeitslose und Geringqualifizierte in Arbeit zu bringen und mithilfe von Sprach- und Integrationskursen sowie beruflicher Qualifizierung den Arbeitsmarkt für Flüchtlinge mit guten Bleibeperspektiven zu öffnen. Um hochqualifizierte Fachkräfte nach Deutschland zu ziehen, muss zusätzlich weiter an einer qualifizierten Arbeitsmarktzuwanderung gearbeitet werden.“

Zum Ausbildungsmarkt:

„Mit knapp 1.500 mehr bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten Ausbildungsstellen als im Vorjahr wird deutlich, dass die Ausbildungsbereitschaft der Arbeitgeber sehr hoch ist und die Duale Berufsausbildung einen hohen Stellenwert und Wertschätzung genießt. Der Vorwurf der Gewerkschaften, es werden zu wenig betriebliche Ausbildungsplätze zur Verfügung gestellt, ist fern ab der Realität. Richtig ist, dass Berufsorientierung, Ausbildung und Qualifizierung noch stärker auf die Arbeitsmarktbedarfe abgestimmt werden müssen .

Auch uns bereitet Sorge, dass dennoch weniger Verträge als im Vorjahr abgeschlossen wurden. Knapp 2.500 Jugendliche blieben ohne Ausbildungsplatz. Dem gegenüber stehen 3.500 noch nicht besetzte Ausbildungsstellen. Dies ist der höchste Wert seit 2009. Knapp 9.000 Bewerber haben sich Ausbildungsplatz suchend gemeldet, dann aber eine Alternative gefunden, z.B. ein Studium aufgenommen oder besuchen ein Angebot der Berufsbildenden Schule. Diese Bewerber als unversorgt zu bezeichnen ist sachlich falsch.

Gründe hierfür sind unter anderem, dass Angebot und Nachfrage häufig nicht zusammenpassen, Ausbildungsberufe nicht den Erwartungen der jungen Menschen entsprechen, die Hochschule bei vielen Jugendlichen als besserer Bildungsweg angesehen wird und sehr viele Jugendliche aufgrund einer nicht ausreichenden Ausbildungsfähigkeit zunächst andere Angebote ansteuern. Da sich dieser Trend bereits seit einigen Jahren abzeichnet, arbeiten die Arbeitsmarktpartner verstärkt an einer früheren Berufsorientierung in den Schulen, einem engen Austausch zwischen Schule und Wirtschaft, der den Berufsalltag und Ausbildungsinhalte realistisch vermittelt, sowie diversen zusätzlichen Qualifizierungsmaßnahmen zur Erlangung der Ausbildungsreife. Dieses Engagement für schwächere Schüler wird fortgesetzt.

Es ist bedauerlich, dass die Duale Berufsausbildung von Vertretern der Gewerkschaften systematisch schlecht geredet wird. Auch ist der Ansatz der Landesregierung, möglichst alle Schüler, unabhängig von Leistungsfähigkeit und Begabung, zum Abitur zu bringen, nicht förderlich. Die Wirtschaft braucht gute Oberschüler genauso wie gute Abiturienten. Da die Anzahl der Studierenden trotz der demografischen Entwicklung stetig steigt, werden zukünftig die größeren Probleme bei der Rekrutierung von ausgebildeten Fachkräften erwartet. Und diese werden dringend gebraucht!

Für Betriebe, die derzeit ihre Ausbildungsstellen nicht besetzen können, sind junge Flüchtlinge eine Hoffnung. Hierzu müssen dringend Sprach- und Kulturkenntnisse vermittelt, Schulabschlüsse ggf. nachgeholt und insgesamt die Wertschätzung und Chancen der Dualen Ausbildung in Deutschland vermittelt werden.“

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